Eine Wärmedämmung mit Hanf und Kalk zu wählen bedeutet nicht, sich für ein einzelnes Produkt zu entscheiden. Es bedeutet, den Aufbau der gesamten Gebäudehülle zu planen: Wände, Dach, Decken und Unterböden. Das Prinzip ist einfach, wird aber häufig übersehen: Ein Dämmstoff darf nicht ausschließlich anhand seiner deklarierten Wärmeleitfähigkeit bewertet werden. Ebenso relevant sind Wärmekapazität, Phasenverschiebung, Wasserdampfdurchlässigkeit und die Kontinuität des Schichtaufbaus. In diesem Leitfaden zeigen wir, wie die TecnoCanapa-Systeme diese Anforderungen erfüllen – vom Biomattone®-Block über Canafiber-Platten bis zu Bio Beton®. Erfahren Sie, in welchen Anwendungen die einzelnen Lösungen eingesetzt werden und wie Sie die passende auswählen.
Warum Wärmedämmung mit Hanf und Kalk als System bewertet werden muss
Der Wohnkomfort hängt von der Lufttemperatur, der Oberflächentemperatur der Wände, der relativen Luftfeuchtigkeit, der Luftgeschwindigkeit und der Fähigkeit der Gebäudehülle ab, Schwankungen zu dämpfen. Deshalb muss eine Wärmedämmung mit Hanf und Kalk stets anhand mehrerer Parameter gemeinsam bewertet werden und nicht nur anhand der Wärmeleitfähigkeit.
Nach der technischen Dokumentation von TecnoCanapa sind folgende Parameter gemeinsam zu betrachten:
- Wärmeleitfähigkeit
- Wärmekapazität und Masse
- Dämpfung und Phasenverschiebung
- Wasserdampfdurchlässigkeit
- hygroskopische Kapazität
- Oberflächentemperatur
- Kontinuität des Schichtaufbaus
- Wärmebrücken und konstruktive Details
Diese Parameter gewinnen zusätzlich an Bedeutung, wenn berücksichtigt wird, dass reale Gebäude täglichen und saisonalen Schwankungen von Temperatur, Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Lüftung ausgesetzt sind. Wände mit ähnlichem U-Wert können sich daher unterschiedlich verhalten, wenn sich Wärmekapazität, Masse und Feuchtemanagement unterscheiden.
Verantwortungsbewusste Planung stellt Berechnung und reales Verhalten nicht gegeneinander, sondern nutzt Berechnungen, Prüfungen und Monitoring als sich ergänzende Instrumente. Für einen unabhängigen technischen Vergleich dynamischer Kennwerte der Gebäudehülle ist in Italien ANIT, die Associazione Nazionale per l’Isolamento Termico e acustico, eine Referenzquelle.
Anwendungen von Hanf-Kalk-Systemen in der Gebäudehülle
Hanf-Kalk-Systeme können im Neubau, bei Sanierungen und bei Instandsetzungsmaßnahmen eingesetzt werden. Die Ausführung variiert jedoch je nach Tragstruktur, verfügbarer Dicke, Untergrund, geforderten Leistungen und Baustellenbedingungen. Zu den wichtigsten Anwendungen gehören:
- Ausfachungswände – Ergänzung von Tragkonstruktionen durch leichte und diffusionsoffene Außenwände
- Innere Vorsatzschalen – Sanierung von innen, wenn ein Eingriff an der Fassade nicht möglich ist
- Trennwände – Innenwände mit Fokus auf hygrothermischen und akustischen Komfort
- Deckendämmung – horizontale Anwendungen und Füllungen, die mit dem Schichtaufbau kompatibel sind
- Unterböden – leichte, dämmende Schichten zur Integration in den Fußbodenaufbau
- Putze und Oberflächen – Beschichtungen auf Basis von Kalk und Pflanzenfasern für kompatible Untergründe
- Restaurierung und Sanierung – Maßnahmen an Bestandsgebäuden, bei denen Diffusionsoffenheit und Materialverträglichkeit zentral sind
In den folgenden Abschnitten zeigen wir, welche Produkte des TecnoCanapa-Systems für die jeweiligen Anwendungen vorgesehen sind – beginnend mit den Außenwänden.
Dämmung von Außenwänden: Ausfachung und Außendämmung mit Hanf und Kalk
Für Ausfachungswände, also die Ergänzung von Tragkonstruktionen durch leichte und diffusionsoffene Außenwände, setzt das TecnoCanapa-System auf den Block Biomattone®. Er ist in acht Formaten erhältlich, weist eine Dichte von etwa 310 kg/m³ und eine Wärmeleitfähigkeit λ von 0,044 W/mK auf. Je nach Dicke reicht der U-Wert von 0,5 bis 0,09 W/m²K und die thermische Phasenverschiebung von 3 bis über 32 Stunden. Die Klassen für Brandverhalten und Feuerwiderstand reichen bis B-s1,d0 beziehungsweise EI60–EI180. Diese Werte sind Richtwerte; für das Projekt ist das technische Datenblatt des gewählten Formats maßgebend.

Für die Außendämmung ist dagegen Canafiber Cappotto das Referenzprodukt: eine steife Dämmplatte aus Industriehanffaser. Sie weist eine Dichte von etwa 100 kg/m³ und eine Wärmeleitfähigkeit λ von 0,039 W/mK auf. Je nach Plattendicke von 40 bis 160 mm reicht der U-Wert von 0,836 bis 0,234 W/m²K. Das Brandverhalten entspricht Klasse C-s2,d0. Dank der hohen Diffusionsoffenheit kann das Produkt herkömmliche Außendämmsysteme aus Polystyrol, Glas- oder Steinwolle ersetzen.
Schließlich gibt es eine Gießlösung: Bio Beton®, ein Biokomposit, das direkt auf der Baustelle auf Dächern, Estrichen, Wänden oder in Schalungen eingebaut wird. Es ist in bereits vorgemischten und gebrauchsfertigen Big Bags erhältlich. Es wird für die Außendämmung bestehender Gebäude, für Innendämmungen und Unterböden eingesetzt. Die Schichtdicken reichen von 10 bis 40 cm, mit U-Werten von 0,49 bis 0,13 W/m²K.
Dämmung von Dach und Dachboden mit Hanf und Kalk
Auch Dächer profitieren von Hanf-Kalk-Systemen. Bio Beton® wird zur Wärme- und Schalldämmung von Flach- und Steildächern eingesetzt. Die thermische Phasenverschiebung der Biokomposite trägt außerdem dazu bei, sommerliche Wärmespitzen zu dämpfen – ein Effekt, der bei Systemen mit geringer Masse häufig fehlt. Dieses Thema verdient eine eigene Vertiefung und wird auf der Seite zur Dämmung von Dach und Dachboden ausführlich behandelt.

Dämmung von Decken, Hohlräumen und inneren Vorsatzschalen
Für die Wärme- und Schalldämmung von Dächern, Wänden und Decken im Neubau wie bei Sanierungen bietet das System Canafiber Intercapedine. Die Platte besteht aus Industriehanffaser (85 %) und Polyesterfaser (bis zu 15 %). Sie weist eine Dichte von etwa 30 kg/m³ und eine Wärmeleitfähigkeit λ von 0,039 W/mK auf. Je nach Dicke von 40 bis 120 mm reicht der U-Wert von 0,836 bis 0,308 W/m²K. Laut Produktdatenblatt werden ihre Eigenschaften durch die Kombination mit diffusionsoffenen Lösungen wie Bio Beton® und Biomattone® zusätzlich unterstützt.
Für innere Vorsatzschalen – sinnvoll, wenn ein Eingriff an der Fassade nicht möglich ist – und für Unterböden bietet das System das mit Hanfschäben gemischte Legante Dolomitico Naturale. Damit lassen sich wärmedämmende Putze und Biokomposite mit Dicken von 1 bis 45 cm in einem einzigen Auftrag herstellen. Gleichzeitig bleiben Porosität, Diffusionsoffenheit und Wasserdampfdurchlässigkeit erhalten.
Feuchtigkeit, Diffusionsoffenheit und Kondensationsrisiko
In Innenräumen entsteht täglich Wasserdampf durch Atmung, Kochen, Baden und andere häusliche Aktivitäten. Poröse Materialien wie Hanf und Kalk können einen Teil dieses Wasserdampfs vorübergehend aufnehmen und bei veränderten Bedingungen wieder abgeben – dies wird als Hygroskopizität bezeichnet. Sie ersetzt den Luftwechsel nicht, kann aber zu einem stabileren Innenraumklima beitragen.
Es ist sinnvoll, drei Begriffe zu unterscheiden. Hygroskopizität ist die Fähigkeit, Wasserdampf aufzunehmen und wieder abzugeben. Wasserdampfdiffusion bezeichnet den Durchgang durch die poröse Materialmatrix. Diffusionsoffenheit beschreibt, wie leicht Wasserdampf den gesamten Schichtaufbau durchdringt. Putze, Spachtelschichten und Anstriche müssen daher systemgerecht gewählt werden: Eine zu dichte Oberfläche kann das Verhalten des gesamten Aufbaus begrenzen.
Kondensat bildet sich leichter auf kalten Oberflächen, an Wärmebrücken und in schlecht belüfteten Hohlräumen. Deshalb muss die Planung die Kontinuität der Dämmung, Oberflächentemperaturen, Wasserdampfdiffusion und Lüftung kontrollieren. Kein Material allein beseitigt Probleme, die durch Planungsfehler oder ungeeignete Nutzungsbedingungen entstehen.
Häufige Fragen zur Wärmedämmung mit Hanf und Kalk
Was ist der Unterschied zwischen Canafiber Cappotto und Canafiber Intercapedine?
Canafiber Cappotto ist eine steife Dämmplatte mit einer Dichte von etwa 100 kg/m³, die für die Außendämmung von Außenwänden vorgesehen ist. Canafiber Intercapedine weist mit etwa 30 kg/m³ eine geringere Dichte auf und ist für die Wärme- und Schalldämmung von Wandhohlräumen, Dächern und Decken ausgelegt, häufig in Kombination mit Bio Beton® oder Biomattone®.
Wird Biomattone® nur für tragende Wände oder auch für Außendämmungen verwendet?
Biomattone® ist hauptsächlich für Ausfachungswände vorgesehen, also zur Ergänzung von Tragkonstruktionen durch leichte und diffusionsoffene Außenwände. Für die Außendämmung sieht das TecnoCanapa-System spezielle Produkte wie Canafiber Cappotto oder die Gießanwendung von Bio Beton® vor.
Unterstützen Hanf-Kalk-Systeme auch die Kontrolle von Feuchtigkeit und Kondensation?
Hanf und Kalk besitzen eine Struktur, die die Wasserdampfdiffusion unterstützt. Poröse Materialien können außerdem dank ihrer Hygroskopizität einen Teil des Wasserdampfs vorübergehend aufnehmen und wieder abgeben. Kein Material allein beseitigt jedoch Kondensationsprobleme, die auf Planungsfehler zurückzuführen sind: Kontinuität der Dämmung, Oberflächentemperaturen und Lüftung bleiben entscheidend.
Wozu dient die thermische Phasenverschiebung dieser Materialien?
Die thermische Phasenverschiebung verzögert und dämpft den Wärmedurchgang durch die Wand und trägt dadurch zum sommerlichen Komfort bei. Bei Biomattone® reicht sie je nach Format beispielsweise von 3 bis über 32 Stunden. Je höher die Phasenverschiebung, desto später und abgeschwächter erreicht die äußere Wärmespitze den Innenraum.
Werden TecnoCanapa-Systeme nur im Neubau oder auch bei Sanierungen eingesetzt?
Beides. Hanf-Kalk-Systeme eignen sich für Neubauten, energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden sowie Restaurierungs- und Instandsetzungsprojekte. Bei letzteren sind die Verträglichkeit mit dem bestehenden Untergrund und die Diffusionsoffenheit besonders wichtig.
Zusammenfassung: So wählen Sie das richtige Dämmsystem
Es gibt nicht ein einziges Produkt für die Dämmung mit Hanf. Die Wahl hängt von der Anwendung – Wand, Dach, Decke oder Unterboden –, der verfügbaren Dicke und den Baustellenbedingungen ab. Biomattone® ist für Ausfachungswände vorgesehen, Canafiber Cappotto und Canafiber Intercapedine für die beiden wichtigsten Plattendämm-Szenarien und Bio Beton® für Gießanwendungen auf Dächern, Wänden und Unterböden.
Um die für Ihr Projekt am besten geeignete Lösung zu bestätigen, konsultieren Sie die aktuellen technischen Datenblätter der einzelnen Produkte. Alternativ können Sie die technische Abteilung von TecnoCanapa kontaktieren, um Ihr konkretes Projekt prüfen zu lassen.


