Hygrothermischer Komfort ist der Zustand des Wohlbefindens, der entsteht, wenn Lufttemperatur, Oberflächentemperaturen, relative Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung in Innenräumen im Gleichgewicht bleiben. Er hängt nicht von einem einzigen deklarierten technischen Wert ab, sondern vom Gesamtverhalten der Gebäudehülle im Zeitverlauf.
Was versteht man unter hygrothermischem Komfort?
Ein Dämmstoff wird nicht nur anhand seiner deklarierten Wärmeleitfähigkeit beurteilt. Der Wohnkomfort hängt auch von der Fähigkeit der Gebäudehülle ab, Temperaturschwankungen zu dämpfen und die täglich in den Räumen entstehende Feuchtigkeit zu regulieren. Bei Hanf-Kalk-Biokompositen wie den TecnoCanapa-Systemen beeinflusst die Porosität des Materials dieses Verhalten zusammen mit den kontinuierlichen Aufnahme- und Abgabeprozessen von Wasserdampf, die zur Stabilisierung des Innenraumklimas beitragen können.
Parameter, die den Wohnkomfort beeinflussen
Für eine korrekte Bewertung einer Hanf-Kalk-Gebäudehülle müssen mehrere Parameter gemeinsam betrachtet werden, nicht nur ein einzelner:
- Wärmeleitfähigkeit;
- Wärmekapazität und Masse;
- Dämpfung und thermische Phasenverschiebung;
- Wasserdampfdurchlässigkeit;
- hygroskopische Kapazität;
- Oberflächentemperatur der Wände;
- Kontinuität des Schichtaufbaus;
- Wärmebrücken und konstruktive Details.
Wände mit ähnlichem U-Wert können sich unterschiedlich verhalten, wenn Wärmekapazität, Masse, Materialstruktur und Feuchtemanagement voneinander abweichen. Die Projektbewertung muss daher das gesamte Bausystem berücksichtigen und darf sich nicht auf den Nennwert einer einzelnen Dämmkomponente beschränken.
Die Rolle der Feuchtigkeit: Hygroskopizität und Diffusionsoffenheit
In Innenräumen entstehen durch Atmung, Kochen, Baden und Trocknen von Textilien täglich Wasserdampfmengen, die sich entsprechend den Druckunterschieden bewegen und mit Oberflächen und Materialien interagieren. Poröse Materialien wie Hanf und Kalk nehmen einen Teil dieses Wasserdampfs vorübergehend auf und geben ihn bei veränderten Bedingungen wieder ab. Dieses als Hygroskopizität bezeichnete Verhalten ersetzt den Luftwechsel nicht, kann aber die Geschwindigkeit von Feuchtespitzen reduzieren.
- Hygroskopizität: Fähigkeit, Wasserdampf als Reaktion auf veränderte Umgebungsbedingungen aufzunehmen und wieder abzugeben.
- Wasserdampfdiffusion: Durchgang von Wasserdampf durch die poröse Matrix des Materials.
- Diffusionsoffenheit: Leichtigkeit, mit der Wasserdampf eine Schicht oder einen Schichtaufbau durchdringt.
Hanf und Kalk besitzen eine Struktur, die die Wasserdampfdiffusion unterstützt. Um diese Eigenschaft zu erhalten, müssen auch Putze, Spachtelschichten und Anstriche entsprechend ausgewählt werden: Eine zu dichte Oberfläche begrenzt das Verhalten des gesamten Wandaufbaus.
Kondensation und kritische Punkte, die bei der Planung zu vermeiden sind
Kondensation bildet sich leichter auf kalten Oberflächen, an Wärmebrücken, in schlecht belüfteten Hohlräumen und in verschatteten Bereichen. Die Planung muss daher die Kontinuität der Dämmung, die Oberflächentemperaturen, die Wasserdampfdiffusion und die Lüftung der Räume kontrollieren. Kein Material allein beseitigt Probleme, die aus Planungsfehlern oder ungeeigneten Nutzungsbedingungen entstehen. Deshalb unterstützt TecnoCanapa Planende und Bauunternehmen bei der Bewertung besonders sensibler konstruktiver Details.
Dynamische Leistungen: über den stationären U-Wert hinaus
Der stationäre U-Wert beschreibt den Wärmefluss unter vereinfachten Bedingungen. Reale Gebäude sind jedoch täglichen und saisonalen Schwankungen von Temperatur, Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Lüftung ausgesetzt. Deshalb ist es sinnvoll, den stationären Wert durch dynamische Parameter und durch die Überprüfung realer Betriebsbedingungen zu ergänzen, um das Verhalten des Systems über das gesamte Jahr und nicht nur rechnerisch zu beurteilen.
TecnoCanapa-Lösungen für hygrothermischen Komfort
TecnoCanapa Bioedilizia® bietet verschiedene Lösungen für Neubau und Sanierung, bei denen der hygrothermische Komfort der gesamten Gebäudehülle berücksichtigt wird. Ausfachungswände aus Biomattone® ergänzen Tragkonstruktionen durch leichte, diffusionsoffene Außenwände, während Canafiber Cappotto für die Außendämmung bestehender Fassaden eingesetzt wird. Für Dächer und Dachböden wird die Referenzlösung im Leitfaden zur Dämmung von Dach und Dachboden mit Hanf und Kalk beschrieben. Jedes Projekt muss dennoch gemeinsam mit der technischen Abteilung von TecnoCanapa anhand von Tragstruktur, Klima und geforderten Leistungen bewertet werden.
Häufige Fragen zum hygrothermischen Komfort
Hängt hygrothermischer Komfort nur von der Wärmedämmung ab?
Nein. Er hängt auch von Wärmekapazität, Phasenverschiebung, Wasserdampfdurchlässigkeit und Oberflächentemperatur der Wände ab – Parameter, die immer gemeinsam betrachtet werden müssen.
Beseitigt Hanf-Kalk das Kondensationsrisiko?
Nein. Kein Material allein beseitigt Risiken, die aus Planungsfehlern entstehen. Ein korrekter Schichtaufbau, ausreichende Lüftung und die Kontrolle von Wärmebrücken bleiben unverzichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen stationärem U-Wert und dynamischem Verhalten?
Der U-Wert beschreibt vereinfachte Bedingungen; das dynamische Verhalten berücksichtigt die realen Veränderungen von Temperatur, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung im Jahresverlauf nach technischen Kriterien, auf die auch der CTI – Comitato Termotecnico Italiano Bezug nimmt.
Eine Übersicht über das gesamte Hanf-Kalk-System finden Sie im vollständigen Leitfaden zur Wärmedämmung mit Hanf und Kalk oder in den aktuellen technischen Datenblättern. Für eine Bewertung Ihres Projekts können Sie die technische Abteilung von TecnoCanapa kontaktieren.


